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May December

Natalie Portman und Julianne Moore treffen in May December aufeinander wie zwei Spiegelbilder, die einander misstrauen. Todd Haynes macht daraus ein präzises, unbequemes Drama über Schuld und Selbsttäuschung.

Natalie Portman und Julianne Moore in May December (Quelle: Wild Bunch)

Genre: Drama, Psychodrama, Gesellschaftssatire
Für Fans von: Carol, Tár, Anatomie eines Falls

Awards: Oscar-Nominierung 2024 für das beste Originaldrehbuch; vier Golden-Globe-Nominierungen 2024, unter anderem für Natalie Portman, Julianne Moore, Charles Melton und den Film in der Kategorie Musical/Comedy; AFI-Auszeichnung als einer der Filme des Jahres; Nominierung für die Goldene Palme in Cannes als Bester Film und viele weitere internationale Nominierungen und  Auszeichnungen.


May December (2023)

Worum geht’s? Zwanzig Jahre nach einem Skandal, der einst die Boulevardpresse beherrschte, lebt Gracie Atherton-Yoo scheinbar ein ruhiges, gut sortiertes Leben in Savannah, Georgia. Sie ist verheiratet, hat Kinder großgezogen, backt, empfängt Gäste mit kontrollierter Freundlichkeit und wirkt auf den ersten Blick wie jemand, der seine Vergangenheit fest in den Griff bekommen hat. Doch diese Vergangenheit ist schwer zu übersehen: Gracie begann als erwachsene Frau eine Beziehung mit Joe Yoo, der damals noch minderjährig war. Aus dem Skandal wurde später eine Ehe, aus den Schlagzeilen wurde Alltag – zumindest nach außen.

In dieses fragile Gefüge tritt Elizabeth Berry, eine bekannte Schauspielerin, die Gracie in einem Film spielen soll. Um sich auf die Rolle vorzubereiten, besucht sie Gracie und Joe, spricht mit der Familie, beobachtet Gesten, Tonfälle, Blicke und kleine Gewohnheiten. Was zunächst wie eine professionelle Recherche wirkt, bekommt schnell etwas Eindringliches. Elizabeth möchte nicht nur Fakten sammeln, sondern Gracie regelrecht durchdringen: Wie bewegt sie sich? Wie spricht sie über das Geschehene? Was verdrängt sie? Was erzählt sie sich selbst, um weiterleben zu können?

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Bekannte Gesichter: Natalie Portman (Black Swan, Fountain of Youth, Lady in the Lake), Julianne Moore (Echo Valley, When You Finish Saving the World, The Woman in the Window), Charles Melton (Riverdale, American Horror Story, Poker Face), Cory Michael Smith (Gotham, Utopia, Sentimental Value)

Highlight: Todd Haynes erzählt kein klassisches Enthüllungsdrama. „May December“ arbeitet viel subtiler. Der Film interessiert sich weniger für einen großen Moment der Wahrheit als für die Risse im Alltag. Ein Familienessen, ein Gespräch im Wohnzimmer, ein Ausflug, ein Blickwechsel zwischen Joe und Elizabeth – immer wieder verschiebt sich die Stimmung kaum merklich. Die höfliche Oberfläche bleibt bestehen, aber darunter sammeln sich Irritation, Scham, Neugier und unausgesprochene Wut.

Schon gewusst? Der Titel verweist auf den englischen Ausdruck „May-December Romance“, also eine Beziehung mit großem Altersunterschied. Im Film klingt darin jedoch mehr mit als nur eine ungleiche Romanze. „May December“ beschreibt auch ein Klima zwischen Frühling und Winter oder zwischen Verführung und Erstarrung.


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