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Von Dune bis Mulholland Drive: Fünf prägende Filme von David Lynch

David Lynch machte aus Albträumen Kino: Kaum ein Regisseur hat das Unheimliche im Alltäglichen so geprägt wie er. Diese fünf Filme zeigen sein Werk in all seinen eindrucksvollen Facetten.

Patricia Arquette in Lost Highway (1997) | MUBI (Quelle: Patricia Arquette in Lost Highway (1997) | MUBI)

David Lynchs Filme suchen nie nach einfachen Antworten. Sie führen den Zuschauer in Welten, die zunächst vertraut wirken und sich dann Stück für Stück verschieben – wie ein Traum, der beim Aufwachen noch lange nachhallt. Hinter gepflegten Fassaden, hellen Straßen und scheinbar normalen Begegnungen lauert bei ihm fast immer etwas Dunkles: Angst, Begehren, Gewalt oder Schuld. Diese Auswahl nähert sich Lynchs Kino von mehreren Seiten: als überwältigendes Science-Fiction-Epos, als wilde Liebesgeschichte und als düsterer Mystery-Albtraum. Die fünf Filme bilden sein Werk nicht vollständig ab, zeigen aber sehr gut, warum es bis heute so fasziniert.


Dune – Der Wüstenplanet (1984)

Science-Fiction als Fiebertraum: fremd, wuchtig und voller Macht, Prophezeiungen und viel Sand.

Worum geht’s? In einer fernen Zukunft entscheidet sich das Schicksal ganzer Imperien auf Arrakis. Der karge Wüstenplanet ist der einzige Ort, an dem das Spice vorkommt – jene kostbare Substanz, die Raumfahrt, Politik und religiöse Vorstellungen miteinander verbindet. Als das Haus Atreides die Kontrolle über Arrakis erhält, wird Paul Atreides in ein gefährliches Machtspiel hineingezogen. Zwischen Intrigen, Prophezeiungen und der Kultur der Fremen wächst er in eine Rolle hinein, die größer ist als er selbst. Lynchs Dune ist dabei kein typisch glattes Sci-Fi-Abenteuer, sondern eher ein fiebriger Bilderrausch aus Sand, Maschinen, Macht und Mythos.

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Bekannte Gesichter: Kyle MacLachlan (Twin Peaks, Portlandia, Fallout), Jürgen Prochnow (Das Boot, 24, Der englische Patient), Sting (Quadrophenia, Bube Dame König grAS, Only Murders in the Building), Patrick Stewart (Star Trek: Picard, X-Men, Logan)

Geeignet für Fans von großen Science-Fiction-Abenteuern, exzentrischen Literaturverfilmungen und Filmen, die viel Atmosphäre bieten.

Nicht geeignet für alle, die eine sauber sortierte, leicht zugängliche Dune-Erzählung erwarten.

Highlight: Der Reiz liegt weniger darin, dass Lynch Frank Herberts Roman perfekt bändigt. Spannender ist, wie sehr der Film an seinem eigenen Größenwahn wächst. Der Planet Arrakis wirkt hier fremd, barock und beinahe körperlich. Gerade die grotesken Harkonnen-Szenen tragen deutlich Lynchs Handschrift.

Schon gewusst? Lynchs ursprüngliche Fassung war deutlich länger. Der Rohschnitt wurde aus kommerziellen Gründen von rund fünf Stunden auf 2 Stunden und 17 Minuten gekürzt. Lynch distanzierte sich später auch von der längeren TV-Fassung, die unter dem Pseudonym Alan Smithee lief.


Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula (1990)

Ein Roadmovie wie ein Rocksong: laut, dreckig, romantisch und gefährlich.

Worum geht’s? Sailor Ripley und Lula Pace lieben sich mit einer Wucht, die kaum in ihre Welt passt. Nach Sailors Gefängnisentlassung flieht das Paar vor Lulas Mutter, die ihre Tochter unbedingt von ihm fernhalten will. Was folgt, ist ein grelles Roadmovie durch ein Amerika, in dem Motels, zwielichtige Gestalten, Verbrechen und dunkle Begierden an jeder Ecke warten. Lynch verwandelt die Flucht der beiden in ein überdrehtes Märchen, das mal romantisch, mal brutal und immer ein wenig wahnsinnig wirkt.

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Bekannte Gesichter: Nicolas Cage (Sympathy for the Devil, Spider-Noir, Longlegs), Laura Dern (Jurassic Park, Marriage Story, Big Little Lies), Willem Dafoe (Nosferatu – Der Untote, Kinds of Kindness, Asteroid City), Isabella Rossellini (Blue Velvet, Konklave, Shut Eye)

Geeignet für Fans von Roadmovies, schwarzem Humor und überdrehten Liebesgeschichten.

Nicht geeignet für Zuschauer, die mit greller Gewalt, grotesken Nebenfiguren und bewusst überhöhtem Spiel wenig anfangen können.

Highlight: „Wild at Heart“ ist Lynch in seiner hemmungslosen Pop-Phase: Elvis, Gangsterkino, Sex, Feuer und Märchen krachen hier mit voller Wucht aufeinander. Sailor und Lula, gespielt von Nicolas Cage und Laura Dern, wirken wie zwei Menschen, die sich an ihrer Liebe festhalten, als wäre sie das Einzige, was in dieser kaputten Welt noch Sinn ergibt.

Schon gewusst? „Wild at Heart“ gewann 1990 die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes. Diane Ladd wurde für ihre Rolle außerdem sowohl für den Oscar als auch für den Golden Globe als beste Nebendarstellerin nominiert.


Twin Peaks – Der Film (1992)

Aus dem berühmtesten Mordfall von Twin Peaks wird hier die Geschichte einer jungen Frau am Abgrund.

Worum geht’s? „Twin Peaks – Der Film“ erzählt von den letzten Tagen Laura Palmers. In der Serie war Laura zunächst vor allem ein Rätsel: ein totes Mädchen, umgeben von Geheimnissen. Der Film rückt nun sie selbst ins Zentrum und macht aus dem Kriminalfall ein schmerzhaftes Porträt einer jungen Frau, die nach außen strahlt, innerlich aber längst von Angst, Drogen, Gewalt und Verzweiflung zerfressen wird.

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Bekannte Gesichter: Sheryl Lee (Twin Peaks, Winter’s Bone, Backbeat), Ray Wise (RoboCop, Twin Peaks, Reaper), Kyle MacLachlan (Twin Peaks, Fallout, Portlandia), David Bowie (Der Mann, der vom Himmel fiel, Begierde, Prestige – Die Meister der Magie)

Geeignet für Fans von düsteren Mystery-Dramen, Twin Peaks und Filmen, die psychischen Schmerz ernst nehmen.

Nicht geeignet für Zuschauer, die vor allem den humorvoll-schrägen Seriencharme von Twin Peaks erwarten.

Highlight: Das größte Highlight ist Sheryl Lee. Sie bekommt hier den Raum, Laura Palmer nicht als Symbol, sondern als Mensch zu spielen: verletzlich, widersprüchlich, verzweifelt und manchmal trotzig – und vor allem sehr lebendig. Dadurch wirkt der Film heute wie ein Schlüsselwerk im Lynch-Kosmos.

Schon gewusst? Bei der Premiere in Cannes wurde „Twin Peaks – Der Film“ ausgebuht und stieß zunächst auf starke Ablehnung. Später wurde der Film deutlich positiver neu bewertet und gilt heute als eines der zentralen Werke in David Lynchs Filmografie.


Lost Highway (1997)

„Wir sind uns schon einmal begegnet, nicht wahr?“

Worum geht’s? Fred Madison lebt mit seiner Frau Renée in einem kühlen, fast unheimlich sterilen Haus. Dann tauchen vor ihrer Tür rätselhafte Videokassetten auf: erst mit Aufnahmen des Hauses, später mit Bildern aus dem Inneren ihres Lebens. Nach einem verstörenden Bruch verliert der Film endgültig den festen Boden unter den Füßen – und Fred scheint plötzlich ein anderer zu sein. Lost Highway ist kein Thriller, der sich sauber entschlüsseln lässt, sondern ein dunkler Sog aus Schuld, Eifersucht, Begehren und verdrängter Gewalt.

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Bekannte Gesichter: Bill Pullman (Independence Day, Während du schliefst, The Sinner), Patricia Arquette (Boardwalk Empire, Murdaugh – Mord in der Familie, Severance)

Geeignet für Fans von düsteren Psychothrillern, Film noir und albtraumhaften Rätseln über die Identität.

Nicht geeignet für alle, die eine logisch auflösbare Thrillerhandlung erwarten.

Highlight: „Lost Highway“ ist einer der besten Einstiege in Lynchs dunkle Traumlogik. Besonders unvergesslich ist der Mystery Man: eine Figur, die mit wenigen Sätzen und einem Telefon mehr Unbehagen erzeugt als viele Horrorfilme mit kompletten Effektgewittern.

Schon gewusst? Das Drehbuch schrieb Lynch gemeinsam mit Barry Gifford, dessen Roman „Wild at Heart“ bereits die Grundlage für Lynchs gleichnamigen Film bildete. Bei „Lost Highway“ arbeiteten beide an einem Stoff, der sich immer wieder verformt – passend zu einem Film, in dem Identität selbst zum instabilen Material wird.


Mulholland Drive – Straße der Finsternis (2001)

Hollywood als Traumfabrik – und als Ort, an dem Träume Menschen verschlingen.

Worum geht’s? Betty Elms kommt nach Los Angeles, um Schauspielerin zu werden. In der Wohnung ihrer Tante trifft sie auf eine unbekannte Frau, die nach einem Autounfall ihr Gedächtnis verloren hat und sich Rita nennt. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wer Rita wirklich ist. Was zunächst wie ein Mystery-Drama im Glanz von Hollywood wirkt, wird nach und nach zu einem dunklen Rätsel über geplatzte Träume, Schuld und Selbsttäuschung.

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Bekannte Gesichter: Naomi Watts (All’s Fair, Feud, Gypsy), Laura Harring (The Punisher, Gossip Girl, Inland Empire), Justin Theroux (The Leftovers, Fallout, Maniac)

Geeignet für Fans von rätselhaftem Kino, psychologischen Traumgeschichten und Filmen, über die man noch Tage später nachdenkt.

Nicht geeignet für Zuschauer, die eine eindeutige Auflösung oder eine streng lineare Geschichte brauchen.

Highlight: „Mulholland Drive“ bündelt vieles, was Lynchs Kino so unverwechselbar macht: zerbrechende Identitäten, unheimliche Doppelungen, dunkle Bühnen und ein Los Angeles, in dem Träume jederzeit in Albträume kippen können. Naomi Watts hält diesen Schwebezustand grandios aufrecht.

Schon gewusst? „Mulholland Drive“ wurde ursprünglich aus einem Fernsehprojekt heraus entwickelt und später als Kinofilm vollendet. In Cannes gewann David Lynch 2001 den Preis für die beste Regie, außerdem erhielt er eine Oscar-Nominierung als bester Regisseur. 2016 wählte eine BBC-Umfrage unter 177 Filmkritikern „Mulholland Drive“ zum besten Film des 21. Jahrhunderts bis zu diesem Zeitpunkt.


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