Leise, intensiv und nah an seinen Figuren: „Sentimental Value“ ist ein fein beobachtetes Familiendrama aus Norwegen und erzählt von familiären Spannungen, die durch ein Filmprojekt neu entfacht werden. Als ein Regisseur seine eigene Vergangenheit künstlerisch verarbeitet, geraten alte Konflikte an die Oberfläche – und längst verdrängte Gefühle brechen wieder auf.
Awards: Oscar als Bester internationaler Film, Golden Globe als Bester Nebendarsteller (für Stellan Skarsgård), Großer Preis der Jury in Cannes, sechs Awards beim Europäischen Filmpreis, BAFTA als Bester nicht-englischsprachiger Film
Worum geht’s? Nach Jahren der Abwesenheit taucht der renommierte Filmregisseur Gustav plötzlich wieder im Leben seiner Familie auf. Der Anlass ist persönlicher wie heikel: Er plant einen neuen Film – und dieser soll auf seiner eigenen Vergangenheit basieren. Im Zentrum dieser Geschichte stehen seine beiden Töchter, allen voran Nora, die selbst als Schauspielerin arbeitet und sich mit gemischten Gefühlen dem Projekt ihres Vaters nähert. Was zunächst wie ein künstlerisches Comeback wirkt, entpuppt sich schnell als emotional aufgeladenes Vorhaben. Denn Gustav greift nicht nur auf Erinnerungen zurück, sondern auf reale Erfahrungen, die für seine Töchter alles andere als abgeschlossen sind. Besonders Nora gerät in einen inneren Konflikt: Soll sie Teil dieses Films werden und damit die Deutungshoheit über ihre eigene Geschichte zumindest teilweise aus der Hand geben – oder sich dagegenstellen und die fragile familiäre Balance riskieren? Die Situation spitzt sich zu, als eine junge internationale Schauspielerin ins Projekt einsteigt. Sie übernimmt eine zentrale Rolle in Gustavs Film und wird damit zur Projektionsfläche für das, was Nora ablehnt.
Highlight: „Sentimental Value“ entfaltet sich ruhig und konzentriert sich auf seine Figuren. Der Film interessiert sich weniger für große dramatische Wendungen als für die feinen Risse in den Beziehungen untereinander: unausgesprochene Vorwürfe, verpasste Chancen und die schwierige Frage, ob sich die eigene Vergangenheit überhaupt objektiv erzählen lässt. Im Kern geht es um die Macht von Geschichten – und darum, wer sie erzählen darf.
Schon gewusst? „Sentimental Value“ markiert die erneute Zusammenarbeit von Regisseur Joachim Trier und Schauspielerin Renate Reinsve nach ihrem internationalen Erfolg mit „Der schlimmste Mensch der Welt“. Der Film knüpft damit auch thematisch an Triers Interesse an persönlichen Lebensentwürfen und zwischenmenschlichen Beziehungen an.
Was hat es mit den Affiliate-Anzeigen in den Streaming-Guide-Artikeln auf sich?
In Artikeln des Streaming-Guides finden sich sogenannte Affiliate-Anzeigen, die Links zu
Onlineshops
enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link einen dieser Shops und kauft dort ein,
wird der
SPIEGEL-Verlag, aber nie der Autor individuell, in Form einer Provision an den Umsätzen
beteiligt.
Eine düster-romantische Frankenstein-Neuinterpretation mit Starbesetzung: „The Bride!“ interpretiert die klassische Monster-Geschichte neu und rückt dabei die Perspektive der ikonischen „Braut“ in den Mittelpunkt. Regisseurin Maggie…
Eine Liebesgeschichte, die alles andere als romantisch ist: Emerald Fennells Verfilmung von „Wuthering Heights“ bringt Emily Brontës Klassiker als intensive, moderne Neuinterpretation auf die Leinwand…
Schlagfertig und immer unter Strom, das beschreibt die stets koffeinierten Gilmore-Frauen. Als Tochter Rory erst auf die Privatschule und später auf die Universität wechselt, müssen…
Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sich tief in die dunklen Seiten menschlicher Existenz vorwagt: „Bones and All“ erzählt von einer intensiven Verbindung zweier Außenseiter, deren Liebe…
Brasilien in den 1970er-Jahren: Während die Militärdiktatur ihren Schatten über das Land legt, erzählt „The Secret Agent“ eine persönliche Geschichte von Flucht und Selbstbehauptung.
Eine neue Generation Mädchen soll in Gilead zur unterwürfigen Ehefrau erzogen werden. Doch die Rebellion Mayday infiltriert den totalitären Staat und versucht, ihn von innen…
Die gleichzeitige Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt.
Sie können SPIEGEL+ auf diesem Gerät weiterlesen oder sich abmelden, um Ihr Abo auf einem anderen Gerät zu nutzen.