Zum Inhalt springen

Sorry, Baby

„Sorry, Baby“ nähert sich einem schweren Thema mit großer Behutsamkeit – und findet dabei immer wieder Raum für Wärme, Witz und Menschlichkeit. Eva Victor erzählt von Trauma nicht als Endpunkt, sondern als Teil eines Lebens, das weitergeht.

Sorry, Baby (Quelle: A24)

Genre: Tragikomödie, Drama, Indie-Film, Psychodrama
Für Fans von: Fleabag, Promising Young Woman, I May Destroy You

Awards: Beim Cannes Filmfestival wurde „Sorry, Baby“ drei Mal nominiert, bei den Golden Globes ein Mal und beim Sundance Film Festival gab es eine Nominierung und den Waldo Salt Screenwriting Award.


Sorry, Baby (2025)

Worum geht’s? Im Mittelpunkt von „Sorry, Baby“ steht Agnes, eine junge Literaturwissenschaftlerin in Massachusetts. Als der Film beginnt, wirkt ihr Leben auf den ersten Blick ruhig, fast unspektakulär: Agnes lebt zurückgezogen, arbeitet an der Hochschule und bekommt Besuch von ihrer besten Freundin Lydie, mit der sie einst studiert und zusammengewohnt hat. Zwischen den beiden ist sofort eine Vertrautheit spürbar, die sich nicht erklären muss. Sie reden schnell, albern, liebevoll, manchmal bissig – wie zwei Menschen, die einander sehr gut kennen und trotzdem vorsichtig um etwas kreisen, das lange unausgesprochen geblieben ist. Nach und nach wird klar, dass Agnes vor einigen Jahren etwas Schlimmes erlebt hat. Der Film erzählt diese Erfahrung nicht als reißerischen Schockmoment und zeigt den Übergriff selbst nicht in Gänze. Stattdessen interessiert sich Eva Victor für das, was danach bleibt: die Verschiebung im eigenen Körpergefühl, die plötzliche Fremdheit in vertrauten Räumen, die Hilflosigkeit gegenüber Institutionen, die lieber verwalten als zuhören. Agnes begegnet Ärzten, der Hochschulbürokratie und einem Umfeld, das nicht immer weiß, wie es mit ihrem Schmerz umgehen soll – oder es gar nicht erst versucht.

WerStreamt.es?

WerStreamt.es? Daten werden geladen…

Bekannte Gesichter: Eva Victor (Billions), Naomi Ackie (Master of None, Mickey 17, The End of the F***ing World), Lucas Hedges (Grand Budapest Hotel, Lady Bird, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri), Louis Cancelmi (A Murder at the End of the World, Killers of the Flower Moon, The Bride! – Es lebe die Braut), John Carroll Lynch (Ballard, Evil, The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd)

Highlight:Die Handlung ist in fünf Kapitel gegliedert und nicht chronologisch erzählt. Dadurch entsteht kein klassischer Spannungsbogen, der auf eine Enthüllung zusteuert, sondern eher ein Mosaik aus Vorher, Nachher und Dazwischen. Agnes ist Studentin, später Dozentin, Freundin, Nachbarin, verletzter Mensch, komische Beobachterin ihres eigenen Lebens. Sie unterrichtet Literatur, verteidigt in einem Seminar unterschiedliche Lesarten von Lolita, bekommt eine kleine Katze, begegnet ihrem Nachbarn Gavin und erlebt Momente, in denen Nähe möglich scheint – aber nie ganz einfach ist. Gerade diese Alltäglichkeit macht Sorry, Baby so eindringlich. Der Film zeigt Trauma nicht als etwas, das eine Figur vollständig definiert, sondern als etwas, das sich in ihr Leben eingeschrieben hat und immer wieder auftaucht: in Panik, in Wut, in Sprachlosigkeit, aber auch in trockenen Witzen und scheinbar beiläufigen Gesprächen. Agnes ist nicht nur Opfer, nicht nur Überlebende, nicht nur tragische Figur. Sie ist klug, schräg, manchmal abweisend, manchmal sehr komisch, manchmal kaum erreichbar. Der Film lässt ihr diese Widersprüche, ohne sie erklären oder glätten zu wollen.

Schon gewusst? „Sorry, Baby“ ist Eva Victors Langfilmdebüt als Regisseurin. Victor schrieb nicht nur das Drehbuch, sondern spielt auch die Hauptrolle. Produziert wurde der Film unter anderem von Barry Jenkins und Adele Romanski, die bereits mit „Moonlight“ Oscar-Geschichte geschrieben haben.


Mehr zum Thema

<a href='https://streaming-guide.spiegel.de/tag/julia-roberts'>Julia Roberts</a> und Ayo Edebiri in After the Hunt
After the Hunt

Ein Drama mit großer Fallhöhe: „After the Hunt“ versammelt mit Julia Roberts, Andrew Garfield und Ayo Edebiri ein hochkarätiges Ensemble und widmet sich einem moralisch komplexen Konflikt, der sich langsam, aber unaufhaltsam zuspitzt. Regisseur Luca Guadagnino inszeniert dabei kein lautes Skandalstück, sondern ein fein ausbalanciertes Kammerspiel über Macht, Loyalität und Wahrheit.

Isabelle Huppert in „Elle“
Elle

Ein Film, der verstört, provoziert und fasziniert: In „Elle“ erzählt Paul Verhoeven eine radikal ambivalente Geschichte über Macht, Kontrolle und weibliche Selbstbestimmung – getragen von einer außergewöhnlichen Isabelle Huppert.

Michaela Coel in I May Destroy You
I May Destroy You

„I May Destroy You“ ist weit mehr als ein Drama über einen Übergriff. Michaela Coel entwirft ein komplexes, poetisches und zugleich kompromisslos realistisches Porträt einer Frau, die nach einem traumatischen Erlebnis versucht, ihre Geschichte neu zu schreiben.

Was hat es mit den Affiliate-Anzeigen in den Streaming-Guide-Artikeln auf sich?

In Artikeln des Streaming-Guides finden sich sogenannte Affiliate-Anzeigen, die Links zu Onlineshops enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link einen dieser Shops und kauft dort ein, wird der SPIEGEL-Verlag, aber nie der Autor individuell, in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt.

Weitere Streaming-Empfehlungen

David Tennant in Inside Man
Inside Man

Was als gut gemeinter Gefallen beginnt, entwickelt sich für einen Dorfpfarrer zur Katastrophe. Hilfe könnte ausgerechnet von einem verurteilten Mörder kommen.

"Paradise" auf Disney+
Paradise

Secret Service Agent Xavier Collins wird in einer postapokalyptischen Welt in die Ermittlungen zum Mord an US-Präsident Cal Bradford verwickelt und dabei mit politischen Intrigen…

Alpha
Alpha

Nach einer Party gerät das Leben der 13-jährigen Alpha aus den Fugen. Der Verdacht auf eine tödliche Infektion macht sie zur Außenseiterin – und zwingt…

High Fidelity
High Fidelity

Liebe lässt sich nicht einfach in eine Top-Five-Liste packen – Rob versucht es trotzdem. In ihrem kleinen Plattenladen in Brooklyn blickt sie auf vergangene Beziehungen…

furious
Furious

In „Furious“ schlüpft „Shameless“-Darstellerin Emmy Rossum in die Rolle einer FBI-Agentin, die sich auf die Jagd nach einer Serienmörderin begibt. Im Verlauf der Ermittlungen wird…

The Five Star Weekend
The Five Star Weekend

Für ein luxuriöses Getaway lädt Hollis Shaw (Jennifer Garner) ihre engsten Freundinnen an die idyllische Küste Nantuckets ein. Statt frische Wunden zu heilen, warten in…

Trailer

Rocko Schamoni in "Der Upir"
Der Upir
Mary Steenburgen und Jake Johnson in „The Dink“
The Dink
Noah Wyle in The Pitt, Staffel 2
The Pitt
Timothée Chalamet in Wonka
Wonka