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Der Fremde

Mit „Der Fremde“ wagt sich François Ozon an einen der berühmtesten und zugleich schwierigsten Romane des 20. Jahrhunderts. Die Neuverfilmung von Albert Camus’ Klassiker erzählt von einem Mann, der scheinbar ohne jede emotionale Bindung durch die Welt geht – und gerade dadurch zum Fremdkörper einer ganzen Gesellschaft wird.

Der Fremde (Quelle: Weltkino)

Genre: Literaturverfilmung, Psychodrama, Krimi
Für Fans von: Frantz, The Trial of the Chicago 7, Die Verachtung

Awards: u.a. Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig 2025, Vorauswahl Europäischer Filmpreis 2026


Der Fremde (2026)

Worum geht’s? Algier, Ende der 1930er-Jahre: Der junge Angestellte Meursault lebt zurückgezogen und beinahe teilnahmslos vor sich hin. Als seine Mutter stirbt, reist er in das Altenheim, in dem sie zuletzt lebte. Doch statt Trauer oder Verzweiflung zeigt Meursault kaum sichtbare Regungen. Genau diese emotionale Distanz wird schnell zum zentralen Punkt der Geschichte. Denn in der Welt von „Der Fremde“ scheint nicht nur die Tat eines Menschen über Schuld oder Unschuld zu entscheiden – sondern auch die Frage, wie er fühlt, trauert oder liebt. Nach der Beerdigung setzt Meursault seinen Alltag fast unverändert fort. Er verbringt Zeit mit Marie, beginnt eine Affäre und gerät über seinen zwielichtigen Nachbarn Raymond immer stärker in Konflikte hinein, die schließlich in einer folgenschweren Eskalation münden. Ein heißer Tag am Strand verändert alles. Was danach folgt, ist weniger ein klassischer Gerichtsfilm als vielmehr eine schonungslose Untersuchung darüber, wie Gesellschaften mit Menschen umgehen, die sich ihren emotionalen Regeln entziehen.

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Bekannte Gesichter: Benjamin Voisin (Sommer 85, Verlorene Illusionen, Die Tanzenden), Rebecca Marder (Mein fabelhaftes Verbrechen, Frühling in Paris, Eine Frau mit berauschenden Talenten), Pierre Lottin (The Money Maker, Bis hierher und noch weiter, Wenn der Herbst naht), Denis Lavant (I’m Not a F**king Princess, Ich und Kaminski, Michael Kohlhaas), Swann Arlaud (Anatomie eines Falls, Die Zeit, die wir teilen, Ein Leben), Mireille Perrier (Boy Meets Girl, Point Blank – Aus kurzer Distanz, Camille)

Highlight: François Ozon bleibt nah an Camus’ berühmter Vorlage, erweitert den Stoff aber zugleich um neue Perspektiven. Besonders die koloniale Realität des damaligen Algeriens tritt stärker in den Vordergrund als in früheren Verfilmungen. Während Meursault wie betäubt durch die flirrende Hitze Algiers streift, wird immer deutlicher, wie eng persönliche Gleichgültigkeit und gesellschaftliche Gewalt miteinander verwoben sind. Meursault bleibt bis zuletzt schwer greifbar – mal verstörend, mal faszinierend, manchmal beinahe tragisch. Benjamin Voisin spielt ihn mit einer kühlen Zurückhaltung, die den Zuschauer ständig zwischen Distanz und Mitgefühl schwanken lässt.

Schon gewusst? Gedreht wurde der Film nicht in Algerien, sondern im marokkanischen Tanger. Hintergrund waren die angespannten politischen Beziehungen zwischen Frankreich und Algerien. Trotzdem versuchte Ozon, die Atmosphäre des damaligen Algiers möglichst authentisch nachzubilden.


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